Erika Klütz

1908 - 2005

„Als Lehrerin fasse ich meine Aufgabe nicht nur technisch auf, obwohl das Training die Grundlage allen guten Tanzes ist. Doch versuche ich immer, auf den ganzen Menschen einzugehen, seine Anlagen voll zu entfalten und ihm zu helfen, seine eigenen künstlerischen Erlebnisse zu formen.“ Erika Klütz

Angefangen hat Erika Klütz als klassisch ausgebildete Tänzerin in Schwerin und Rostock. Schon bald führte sie ihr Interesse für den Modernen Tanz auf andere Wege. Sie spürte, dass „nur der moderne Tanz mit seiner aus den natürlichen Bewegungsmöglichkeiten entwickelten Technik“ imstande sei, „das veränderte Lebens- und Zeitgefühl der zwanziger Jahre aufzugreifen und zu gestalten.“ So verließ sie ihre Stellung als Solotänzerin in Rostock und fing 1929, zunächst in der Wigman Schule Berlin bei Margarethe Wallmann und dann in Dresden, wo sie auch ihre Abschlussprüfung ablegte, an zu studieren. Gleich nach dem Abschluss der Tanzpädagogik Ausbildung engagierte Mary Wigman Erika Klütz und deren Kollegin Gisela Sonntag als Assistentinnen. Erika Klütz unterrichtete die Anfängerklasse der Ausbildung und die Kinderklassen an der Wigman Schule. Sie erinnert sich: „Unser Anfängergehalt war nicht hoch, aber es gab einen wunderbaren Ausgleich, denn Mary lud uns zweimal wöchentlich zu sich zum Mittagessen ein. Das Schönste daran waren die Tischgespräche, die wir anschließend in Marys Goldenem Zimmer fortsetzten. In diesen Gesprächen erhielten wir einen tiefen Einblick in ihr Leben, ihr Denken und ihr künstlerisches Schaffen.“
1934 wurde Erika Klütz Mitglied der Mary Wigman Tanzgruppe, die auf ausgedehnten Gastspielreisen in ganz Europa zu sehen war.

Nachdem 1936 die Mary Wigman Tanzgruppe aufgelöst wurde, war Erika Klütz von 1936 bis 1939 als Lehrerin an den „Meisterstätten für Tanz“ in Berlin tätig. Auf diese Weise konnte sie mit Harald Kreutzberg, Max Terpis, Tatjana Gsovsky, Tamara Rauser, Marianne Vogelsang und Mary Wigman zusammenarbeiten. Sie übernahm den Unterricht Mary Wigmans, wenn diese nicht in Berlin anwesend war und trat mit einem eigenen Soloprogramm in der Freien Volksbühne Berlin auf.

Während der Kriegsjahre wurde Erika Klütz Ballettmeisterin und erste Solotänzerin am Staatstheater Schwerin und leitete die Abteilung Tanz am Mecklenburgischen Konservatorium.
Mit einem von der englischen Militärbehörde organisierten Künstlertransport kam Erika Klütz nach Hamburg und wurde Ballettmeisterin und Leiterin der Kinder- und Elevenausbildung an der Hamburgischen Staatsoper. Hier gestaltete sie mit Pioniergeist nicht nur die Wiederaufnahme des Ballettbetriebs, sondern auch den ersten Ballettabend nach dem Zweiten Weltkrieg am 12. Februar 1946. Eine der damaligen Kritiken lautete: „Hier wirkt eine Phantasie, die, im ursprünglich Tänzerischen verankert, unter lebendiger Einbeziehung des Raumes bis zur ausdrucksvollen Gestaltung des Allgemein-Menschlichen vorstößt.“ Nachdem der in Gefangenschaft geratene Ballettmeister Max Aust nach Hamburg zurückkehrte, entschloss sich Erika Klütz ihre eigene Schule für Theatertanz und Tanzpädagogik zu eröffnen.

Auf der Grundlage der Zusammenarbeit mit Mary Wigman entwickelte Erika Klütz im Laufe ihrer jahrzehntelangen Unterrichtspraxis ihren ganz eigenen Stil, den im Laufe ihrer Lehrtätigkeit Generationen von Tänzern und Tanzpädagogen kennengelernt haben.

Die Offenheit gegenüber alten und neuen Tanzformen, das Improvisieren und Arbeiten an eigenen Tanzschöpfungen, die Verbundenheit mit der professionellen Praxis an den Bühnen und am Tanztheater, die Bereitschaft interdisziplinäre Projekte in den Schulbetrieb einzugliedern, prägt die an der Klütz Schule gebotene Ausbildung und entspricht der Tradition, die von Erika Klütz an dieser Schule vor mehr als 50 Jahren angefangen wurde.